Archive for September, 2011

OPTIMISMUS IST ANSTECKEND

Von Problemen, Schotten-Dichtreflexen, gelingender Kommunikation und ansteckendem Optimismus: Ein Einblick in das Themenspektrum des gedifo Blogs. // Was wird aus unserem gedifo Blog? Part 2 //

Berlin Le Midi – Stefan Gauerke

Im Wort zum Sonntag auf der ARD spricht ganz zufällig Frau Kitz  zu mir.  Sie erzählt mir, wie sie die tragischen Hiobsbotschaften der Medien förmlich überrollen und sie sich bei dem Gedanken ertappt: „Oh lasst mich in Ruhe mit dem ganzen Elend, ich kann ja doch nichts machen“. Aha? Ich bin irritiert. Wirft da etwa eine Pastoralreferentin der katholischen Kirche gedanklich die Nächstenliebe über den Haufen, den Zentralbegriff der christlichen Ethik. Im Angesicht ihres Jobprofils denke ich an mentale Arbeitsverweigerung. Aber nein, dem ist nicht so. In Zeiten des Zweifels und der Überforderung weiß sie, was zu tun ist. Über sich selbst erschrocken richtet sie sich an ihrem Glauben und an den 500.000 Jugendlichen in Madrid wieder auf, die sich nicht abfinden und Anteil nehmen an dem, was um sie herum geschieht. Sie gewinnt wieder Boden unter den Füßen. Mit gestärktem Rückhalt und als Beteiligte sucht sie den Dialog und fragt sich und ihr Umfeld verstärkt, ob es da nicht doch was gäbe, was sie gemeinsam im Alltag gegen Leid und Krise tun können. Und das Ganze in der Hoffnung, wenn das viele täten, sie immer wieder neben den schlechten Nachrichten auch gute Nachrichten hören würde. Warum erzähle ich ihnen hier diese Geschichte? Weil ihnen solche oder ähnliche Geschichten auf diesem Blog immer wieder begegnen werden. Frau Kitz baut da wunderbar anschaulich genau mit den Zutaten ihre digitale Predigt zusammen, die ich auch für die Nachrichten und Geschichten auf dem gedifo Blog für richtig und wichtig halte. Ich deute an, welche Zutaten ich meine:

Guten Morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da?

Suche und beschreibe Probleme, Krisen und Herausforderungen, die uns in Lebens- und Arbeitswelt in immer höherer Schlagzahl um die Ohren fliegen und sehr selten mit überzeugenden Antworten und Lösungswegen bewältigt werden.

Der Schotten-Dicht-Reflex oder auch Die U-Boot-Taktik

Suche und umschreibe die gefühlte Ohnmacht und Wut gegenüber den Problemen in unserer komplizierten Welt und den nachfühlbaren Wunsch sich zurückzuziehen.

Reden ist Silber, miteinander reden ist Gold

Zeige die, die an den Dialog glauben und lernen oder wissen, wie konstruktive Diskurse aufgebaut werden. Veranschauliche den magischen Prozess gelingender Kommunikation, die Dinge und Denken bewegt, zusammen führt und verbindet.

Optimismus ist ansteckend

Suche Leute, die dich mit ihrem Optimismus anstecken, weil sie dir andauernd sagen: „Da tun wir jetzt das und das.“ oder „Da machen wir jetzt das anders.“ oder „Heute probieren wir mal das aus.“ Vermittle die Spannung und die Intensität, die in der Luft liegen, wenn Leute Neues umsetzen.

Zusammen mit den verschiedenen Themenfeldern der einzelnen Communities of Practice, wie zum Beispiel Zeitarbeit oder CSR ist das grob die aktuelle Agenda des gedifo Blogs. Die passt zum dem gedifo, dass ich in den letzten Monaten entdeckt habe. Denn ich treffe in den Communities of Practice durch die Bank weg Leute aus den unterschiedlichsten Lebens- und Arbeitswelten.  Was sie eint ist nicht der gleiche Glaube, derselbe gesellschaftliche Status, das gleiche Bildungslevel oder etwa die gleiche politische Ideologie. Das ist alles Wurscht. Am Ende ist es auch egal in welcher Community of Practice sie sich zu Hause fühlen und welche Interessen sie verfolgen. Was man ihnen allen anheften muss ist:  Die sehen, wo in ihrer Welt was brennt und wollen das löschen, damit nicht ihr ganzer Laden abfackelt. Und dann verspüren sie den Drang, viele viele Andere da mit reinzuziehen und mit ihnen zusammen nach Lösungen zu suchen. Und dann spucken die in Hände und probieren das aus, das Neue, Zack! Und wieder ist es dann egal, ob es ein Event ist, ein Blog oder ein Buch. Es ist auch egal, ob das Ganze dann sofort funktioniert oder nicht. Darum geht‘s nicht. Es geht am Ende auch nicht darum, wie sie es nennen: aktive Nächstenliebe,  gelebte Solidargemeinschaft mit Hang zur experimentellen Umsetzung oder gestörtes Gemeinsam-Anders-Mach-Netzwerk, egal. Beim letzten Treffen im gedifo haben wir uns allen gesagt: „Wir gestalten Zukunft!“ Ziemlich optimistisch? Viellicht. Aber ansteckend.

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September 5, 2011 at 11:52 pm 3 Kommentare

WAS INS AUGE SPRINGT

Das Design des gedifo Blogs wird bald erneuert, inspiriert durch den österreichischen Designer Stefan Sagmeister. //Was wird aus unserem gedifo Blog? Part 1 //

Berlin Helios Klinik – Stefan Gauerke

Was das Design auf unserem gedifo Blog angeht, so bin ich sicher, dass wir uns alle bald an einem neuen Anstrich erfreuen können, ohne das ich das Grün und Gelb, dass uns beide hier gerade anlacht, schmälern will. Wenn ich über Design nachdenke, kommen mir sofort Gedanken wie: Ich betrete jetzt das Reich der funktionalen Schönheit. Hier ist alles am richtigen Ort platziert und ordentlich schick und stimmig in Form und Farbe gebracht. Eine Welt stimmiger, fein abgestimmter Symbolik wartet auf mich. Ich lasse mich inspirieren und gehe zuerst hierher, dann dahin, um dann schnell wieder hierhin zu flanieren. Mein erster Eindruck lässt mich etwas gehemmt zurück. Wie katapultiere ich das gedifo Blog in den vermeintlichen Spagat zwischen intuitiver Funktionalität und symbolträchtiger Eleganz? Wie viel gedifo oder Arbeiterkammer muss da zu entdecken sein? Wie viel muss erklärt werden? Wie muss das Ganze gestrickt sein? Eine Herausforderung? Tut das am Ende richtig weh? Ich rufe meine Freundin die Webdesignerin Elisabeth an und frage sie, was sie heute Abend vorhat. Ich brauche jetzt jemanden, der Design liebt und lebt., die Materie mit der Muttermilch eingesaugt hat. Sie soll mich in die richtige Richtung schupsen, mich enthemmen. Wir treffen uns im Museumsquartier (MQ), sitzen auf den Enzis und gucken das MUMOK an. Ich erzähle ihr vom gedifo, der gedifo Community, zeige Bilder und beschreibe ihr das gedifo Blog. Mit roter und gelber Malkreide verewige ich das Ganze im Großformat in einer Art Power Point Präsentation auf dem Boden des MQs. Ich brauche dafür meine 7 Minuten und schenke dem bunten, wachsenden Mob neugieriger MQ-Besucher ein Lächeln. Ich gucke Elisabeth an, betrachte meine Bodenmalerei und lege eine kurze Pause ein. Sie lacht mich an und verdreht die Augen, so, wie sie das immer macht, wenn ich paradoxe Endoxien gestalte. Kennen sie das? Vom liebevollen Augendreher unbeirrt stelle ich ihr meine „Enthemmungs-Frage“: „Elisabeth, woran kann ich mich halten, wenn wir das gedifo Blog neu gestalten? Lachend nimmt sie mir meinen Kreidestummel aus der Hand und malt mit großen Buchstaben Stefan Sagmeister auf den Boden. Kennen Sie den? Sollten sie aber. Seitdem Abend lässt mich der Kerl nicht mehr los. Wenige gehen so spielerisch und sensibel mit den eigenen Erkenntnissen, dem eigenen Tun und der eigenen Wirklichkeit um. Und ganz nebenbei realisiere ich durch den Sagmeister,  dass Design zwar mit Funktionalität und Schönheit zu tun hat, aber erst klappt, wenn‘s von Herzen kommt. Ich bin inspiriert. Weiter geht‘s.

September 2, 2011 at 11:58 pm 2 Kommentare

ICH BIN JETZT FÜR SIE DA

Stefan Gauerke schreibt ab heute regelmäßig für das gedifo Blog. Ein Selbstbildversuch mit dem ersten Hinweis auf die Frage: Was wird aus unserem gedifo Blog?  

Berlin Kekstraum – Stefan Gauerke

Sie werden in den nächsten Monaten nicht um mich herum kommen. So viel steht fest. Ich bin momentan der einzige Autor auf diesem Blog.  Aber gerade für den Anfang finde ich es nicht schlecht, dass Sie sich nur auf mich konzentrieren können.  Wir haben dann Zeit uns intensiv näher kennen zu lernen. Neben unserem Kennenlernen gibt es aber auch einen vermeintlichen Abschied zu verdauen. Die sympathische Elke Radhuber hat uns leider verlassen und kann sich nicht mehr im gedifo oder auf unserem Blog einbringen. Ich bin jedoch felsenfest davon überzeugt, dass wir sie in Zukunft auf die eine oder andere Art und Weise wieder im gedifo erleben werden. Zu meiner Aufgabe hier im digitalen Raum des gedifo kann ich sagen: Ich kümmere mich jetzt darum, dass aus dieser Internet-Adresse ein kleines, bunt blühendes Häuschen wird, an dem Sie sich erfreuen können, wenn Sie rauf schauen und gerne zu Gast sind, wenn Sie eintreten. Das Schöne dabei ist, dass ich einen großen Freiraum genieße, welche Inhalte ich Ihnen in welcher Art und Weise präsentiere. Das ist wunderbar! Wenn sie sich fragen, warum gerade der: Ich bin vor drei, vier Monaten ins gedifo reingerutscht. Max Kamenar der Projektleiter des gedifo PR Projekts war in Afrika um neue Musik zu finden und sie hier nach Europa zu bringen. Ich bin für ihn eingesprungen und, was soll ich sagen, ich hab mich sofort ins gedifo verliebt. Seitdem sind gedifo und ich ein Paar. So viel mehr will ich an dieser Stelle auch gar nicht von mir erzählen. Selbstbeschreibungen haben immer so ein Geschmäckle.  Aber trotzdem will ich versuchen, um das Geschmäckle herum mir zwei Attribute anzudichten. Die sollten sie mit mir in Verbindung bringen. Deswegen sollte der Titel dieses Posts auch eigentlich heißen: Gestörter Zwilling schreibt fürs gedifo. Klingt komisch, hilft aber ungemein. Beim ersten Gespräch ist es oft ein erster Hinweis für mein Gegenüber, was ihn erwarten wird, wenn er sich auf mich einlässt. Gestört nenne ich mich seit ungefähr vier Jahren. Ein provokanter Artikel in der „brand eins“ hat mir Gewissheit gegeben, dass ich in der großen Gruppe der Gestörten zu Hause bin. Gestörte können einfach in Allem und Jedem etwas Interessantes und Liebenswertes finden. Sie sind dazu hochgradig begeisterungsfähig, leider furchtbar schnell abzulenken und planen immer ein gutes Stück über das Machbare hinaus. All diese Eigenschaften unterschreibe ich sofort. Seitdem wache ich morgens nicht mehr mit der Frage auf: Ist da sonst keiner so wie ich? Es gibt noch andere da draußen, die genauso gestört sind wie ich, und das beruhigt ungemein. Doch wo das Eine ist, ist das Andere oft nicht weit. Ich spreche von den Gehemmten, die den Gegenpart zu den Gestörten einnehmen. Und da kommen wir zum zweiten Attribut, das sie mir umhängen können. Ich bin ein Gehemmter. An dieser Stelle durchbreche ich die Zweiklassengesellschaft in der „Brand Eins Artikel Welt“. Es gibt auch Leute wie mich, die beides sind: gestört und gehemmt zugleich. Wie geht das zusammen? Ich bin Zwilling. Mit diesem Schicksal konfrontiert muss ich ja auch das Gegenteil geben, bin ruhig, geradlinig, fokussiert, skeptisch. Im brand eins Jargon gesprochen: bodenständig gehemmt. Diese zwei gegensätzlichen Sets an Eigenschaften, die aus mir einen etwas flutschigen Charakter machen tragen in meinen Augen auch die Liebesbeziehung zwischen gedifo und mir.  Baugewerblich gesprochen, sind sie das Fundament unserer Verbindung. Aber genug von mir! Hin zum springenden Punkt:  Was wird aus unserem gedifo Blog?

September 1, 2011 at 11:52 pm 10 Kommentare


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